Juli 27

Sonnenschein und Jenseitsglaube in der Kaschubischen Schweiz

Am Morgen nach dem verregneten Tag der Anreise scheint schon wieder die Sonne. Ich  habe zum Frühstück einen grandiosen Blick von meinem hochgelegenen Stellplatz über die umliegenden Hügel und drei Seen.

Mein Kulturprogramm verlangt aber den Besuch von Karthaus, ehemaliges Kartäuserkloster mit düsterer Kirche (der Reiseführer spricht vom sargdeckelartigen Kirchendach).

 

In der Tat überwiegen in der Ausstattung die bedrückenden Details. Schwebt doch ein weißer Engel mit Sense im Arm über dem Ausgang. Ist das die Verheißung zum Jenseits?

Vorerst genieße ich lieber den Sonnenschein dieses schönen Tages!

 

Nächstes Ziel ist nun Danzig, das Hotel in Altstadt wird mir für drei Nächte Unterkunft und dem Bus einen sicheren Stellplatz bieten.

Juli 23

Samstag, 22. Juli – Wanderer kommst du nach Danzig…

… dann kehre hier ein: Gdanziger Dom, Maki  22A,  80-774 Danzig

Nix gesagt gegen Wagabunda-Campings, die sind auf dem Lande genau richtig. Hier, mitten in der Großstadt, schätze ich eine Oase der Erholung. Das Auto darf sich auch mal ausruhen und in Sicherheit wiegen. Besonders positiv empfinde ich – solange ich noch gut zu Fuß bin:

20 min zu Fuß bis in die Rechtstadt, dem historischen Glanzstück von Danzig. Ein gutes Zimmer mit Bad, ein Frühstück, das bis zum späten Nachmittag reichen könnte, Gemeinschaftsküche und Terrasse als kommunikativer Treffpunkt und dazu noch die diversen Hilfen, die die Besitzer mir Polendummy gegeben haben.

Also, nach eineinhalb Tagen weiß ich, wie ich Straßenbahn fahren kann. Für einen „Senior“ sind in Danzig zudem Busse und Straßenbahnen kostenlos – sagt dir aber keiner in der Touristinfo. Ich kann auch S-Bahnkarten kaufen mit Ermäßigung für Senioren. Ich weiß bestimmte, meist freistehende Geldautomaten zu meiden. Im Selbstversuch glaube ich nun zu wissen, dass man Geldautomaten auch in Banken generell mit Vorsicht verwenden muss. Das heißt nicht, dass da betrogen wird, sondern dass man dir einen grottenschlechten Kurs als „gesicherten Wechselkurs“ vorschlägt. Das Angebot sollte man ablehnen, weil dann die deutsche Hausbank den offiziellen Kurs anwendet, und der ist immer besser. Im Zweifel geht man mit Euroscheinen zur Wechselstube seines Vertrauens.

 

Juli 21

Freitag, 21. Juli – Regendepression

Die heiße Limonade hilft wirklich gegen die Regendepression. Ich verbringe den Mittag in einem guten kaschubischen Restaurant. Nach gefülltem Pfannkuchen, zwei Kaffees und einer Honigtorte sind der 19. und 20. Juli im Internettagebuch versenkt.
Noch was anschauen – bei dem grauen Himmel – nöh, keine Lust.

 

Mein Stellplatz mit Blick über 3 Seen ist einfach genial. So beschließe ich den Tag im Platzrestaurant bei einem Bierchen.

 

Ich bewundere die polnischen Camper, die bei diesem Wetter zelten und ihren Grill aufbauen. Doch es ist Wochenende, das muss man ausnutzen. Ich sitze trocken und warm im Platzrestaurant als einziger! Gast. Nur ein kleines Bier, essen geht nicht mehr nach dem kaschubischen Essen zu Mittag.

Der Blog ist heute aktuell. Morgen get’s nach Danzig. Geplant dazwischen ist Kartuzy (Karthaus) und ein kleines VW-Museum. Das Wetter soll kurzfristig besser sein.

 

 

Juli 21

Donnerstag, 20. Juli – der Zufallsfrosch

Der Slowinzische Nationalpark existiert schon lange. Er ist 33km lang und umfasst große Dünen sowie Strandseen. Letztere verlanden langsam und sind für Vögel ideale Nist- und Rastplätze.

Beim Radeln durch den lichten Wald denke ich an die verheerenden Waldbrände in Südeuropa. In diesem Jahr hier keine Thema,  es regnet einfach zu viel.


Einige Wege führen ans Meer wo die breiten Strände kaum bevölkert sind. Doch gibt es Familien die auch mit kleinen Kindern kilometerweit fahren oder gar laufen, um hierher zu gelangen.

Ich wollte doch nur die Blume fotografieren. Der Frosch, oder ist es eine Kröte, ist ein willkommenes Zufallsergebnis!

Juli 21

Mittwoch, 19. Juli – vom Piratenkönig und Strandtrubel

Erstmal ins Schloss der Herzöge von Pommern. Ein beeindruckender Backsteinbau. Der Reiseführer erzählt mir, dass im 15. Jh Erik der Piratenkönig und „letzte Wikinger“ das Schloss als seinen Altersruhesitz ausgebaut hat. Endlich mal jemand, der rechtzeitig seinen Beruf an den Nagel hängt, um die Früchte seiner Arbeit genießen zu können ;-)).
Der Bau ist heute schön restauriert!

 

 

Das Museum im Schloss enthält einige Zeugnisse deutscher Bewohner aus dem 19. Jh.

Der nächste Badeort am Meer ist Rowy (Rowe). Ich wähle den Campingplatz „Wagabunda“ der Empfang ist wieder freundlich und entgegenkommend.
Der Küstenstreifen zwischen Rowy und Łeba (Leba) ist der Slowenische Nationalpark, den ich morgen mit dem Fahrrad besuchen will.

 

Da es noch früh am Nachmittag ist laufe ich zum Strand, wo es richtig heimelig zugeht – siehe Bild.

 

Ein paar hundert Meter weiter finde ich sogar einen Platz für mein Handtuch.

Juli 19

Dienstag, 18. Juli – Relaxen in Rügenwalde

Heute, ja wirklich erst heute, fällt mir so richtig auf, dass ich durch ein Land fahre, das von Deutschen über Jahrhunderte geprägt wurde. Ich fahre nach Darłowo. Mein Nachbar auf dem Campingplatz (er kommt aus Brandenburg) fragt mich wohin ich möchte und ergänzt dann „Rügenwalde“. Sollte ich doch kennen, denn gehört habe ich diesen und andere Ortsnamen zur Genüge. Asche über mein … ach was, die Dinge sind auch so schon kompliziert genug.
Nicht nur die Orte sind umbenannt, auch die deutschen Inschriften an den Häusern hat man entfernt. Einzig die Grabsteine blieben unangetastet. Bei meiner Reise im vergangenen Jahr durchs Memelland in Litauen habe ich noch viele deutsche Inschriften an den Häusern sehen können.
Diesen Tag habe ich als Ruhetag gestaltet. Ein bißchen Spazieren in Rügenwalde und Radfahren zum Badetrubel am Meer.

Und als Krönung des Müßiggangs ein Kinobesuch. „Welcome to Norway“ eine Komödie über 50 Asylanten, die in einem einsam gelegenes Hotel untergebracht werden. Meine Hoffnung auf englische Sprache erfüllte sich nicht, es wurde nur bischen englisch, meist norwegisch, arabisch und französisch gesprochen. Aber gefallen hat’s mir.

Juli 17

Montag, 17. Juli – Kirche, Ruine, Schlaglöcher

Der Chef vom Hotel empfiehlt mir die 600 Jahre alte Dorfkirche in Rusowo zu besuchen. Ich mache das auch mit dem Rad. Zuerst an den Menschescharen vorbei, die mit allen möglichen Gerätschaften an den Strand pilgern.  Dann aber entlang stiller Alleen ins Hinterland bis Rusowo.

Neben der Kirche bietet der Ort auch noch eine Rundfahrt durch einen heruntergekommenen Park, den ein Kaufmann (reich geworden durch Schmuggel während der englischen Seeblockade) Anfang des 19. Jhds von Linné gestalten ließ.

 

 

 

Mein Fahrradnavi zeigt mir noch den Weg zu einem Bauenkmal, das sich als Schlossruine entpuppt – es gibt noch viel zu tun!

 

 

Der Rückweg über Feldwege ist voller Hindernisse: eine Autobahnbaustelle, drei Wachhunde, Eisenbahngeleise und jede Menge Schlaglöcher, die ihrem Namen alle Ehre machen.

Juli 16

Sonntag, 16. Juli – 250 Treppenstufen

Ich will doch sehen, was die Küste noch zu bieten hat, und fahre weiter, durch Kołobrzeg (dt. Kolberg) bis zu dem kleinen Badeort Ustronie Morski. Der Campingplatz mit Hotel „Trymas“ liegt nahe am Strand. Tomasz, der Chef des Hauses empfängt mich herzlich.

Den Nachmittag besuche ich mit dem Fahrrad einen hohen Leuchtturm bei Gaşki. Der ausgeschilderte Weg dorthin ist ein Erlebnis, bzw. eine Teststrecke fürs Rad. Mit meinem gut gefederten Rad zum Glück kein Problem. Die Urlauber, die mir begegnen, haben es auf ihren Leihrädern schon schwerer.

 

 

 

Auf dem Rückweg mache ich einige Abstecher zum Strand und nehme mein erstes Bad in der Ostsee – sehr angenehm – sollte ich täglich machen.

Juli 16

Samstag, 15. Juli – Urlauberrummel

Nach angenehmer Nacht (ruhig, kühl) setzt sich die entspannte Stimmung in mir fort. Ich besichtige die Kirche ausgiebig, was ja nach dem  Konzert nicht nicht mehr möglich gewesen ist. Die barocke Ausgestaltung des Orgelprospekts habe so noch nie gesehen. Ich genieße danach die Ruhe im Kreuzgang an der Nordseite. Und zum Abschluss gibt der Cantor ein 20-minütiges Orgelspiel mit kurzen, meist bekannten Stücken – vorwiegend Bach.


Weiter ins nächste Städtchen Trzebiatów (dt. Treptow) wegen seines vom Krieg verschonten Stadtkerns und der Marienkirche. In der riesigen Kirche zelebriert ein Priester gerade lautstark eine Eheschließung,  zu der in der sonst leeren Kirche nur 4 Gäste anwesend sind.
Am Nachmittag erreiche ich die Küste. Am Straßenrand ist jede Menge Unterhaltung geboten. Schön, so viele junge Menschen und Kinder zu sehen.


Um 17 Uhr stehe ich schon auf einem einfachen und (mir) angenehmen Campingplatz in Strandnähe. Der Platzwart spricht sehr gut Deutsch. Er war schon als Musiker auf dem Weihnachtsmarkt in Konstanz.

Juli 15

Freitag, 14. Juli – Das Konzert

Das wunderbarste Erlebnis des Tages war das Orgel- und Orchesterkonzert in der Kathedrale des Hl Johannes in Kamień Pomorski (dt. Cammin) an. Ich hatte ja gehofft, dass es ein Konzert geben würde, wusste aber nichts genaues. Gespielt wurden zuerst drei Orgestücke u. A. Mendelssohn. Und dann drei Orchesterstücke, die ich nicht kannte, mich aber an skandinavische Komponisten erinnerten. Unter den drei Zugaben war auch eine aus der Peter Gynt Suite von Edvard Grieg. Während der Zugaben kam ich noch ins Gespräch mit einem Kantor aus Angermünde, der nur zum Konzert angereist war und danach gleich zurückfahren wollte.

Klar, dass so ein Ereignis die ansonsten schöne Anfahrt von Rügen her überstrahlt. Daher gibt es zur Fahrt keinen Text und nur drei Bilder: