Dezember 10

Abfahrtbereit

Heute, Samstag, den 9. Dezember, ist der Bus tatsächlich fertigepackt. In Tettnang wurde ich von Waltraud, Alex und Annelies mit vielen guten Wünschen auf die Reise eingestimmt. Das Abendessen dazu war Spitze!

In Langenargen habe ich mich auch schon beim Abendessen mit den Kindern verabschiedet. Von Inka bekam ich weihnachtliche Verpflegung zugesteckt, die muss noch 2 Wochen unter Verschluss bleiben!

Zwischen den anerkennenden Worten spüre ich bei allen, mit denen ich spreche, leise Bedenken zu meiner Unternehmung. Finde ich berechtigt, denn sie kennen ja meine jüngsten Baustellen. Es gibt Menschen, die unternehmen Reisen ohne ihren Wohnort zu verlassen. Ich gehöre nicht zu den glücklichen und muss die häusliche Bequemlichkeit aufgeben, um das Andere, was es auf der Erde noch gibt, kennen zu lernen. Der sesshafte Reisende mag das „Andere“ besser zu erfassen, als ich es je fertigbringe. Die körperliche und geistige Herausforderung, mich in fremder Landschaft, in unbekannten Städten zurecht zu finden, das zieht mich an. Falls ich dabei etwas über das Land in Erfahrung bringe, um so besser.

November 5

Unsere persönliche Höllenschlucht von Taborno

Durch den verwunschenen Zauberwald gehts per Mietwagen ins Anaga Gebirge. Mit Berührung der Wolkenbasis. Allein die Fahrt zum Ausgangspunkt ist also schon mal ein eigener Programmpunkt.

In der Cantina von Afur gibts erstmal nen kleinen Cafè, bevor wir uns aufn Weg machen. Hinter der Kapelle gibts ja so viele Wanderwege dass man eigentlich garnicht weiß wohin man soll! So landen wir nach etlichen Ups and Downs schließlich in Taborno. Eigentlich nur ein Nest, aber mit hübschen Ausblicken und auch ein paar anderen versprengten Touristen.

Puh, für Sesselpupser wie uns war das eigentlich auch schon ein ganz schönes Stück bis hierhin. Dabei liegt für die geplante Rundtour die eigentlich halsbrecherische Passage die im Rother Wanderführer schwarz markierte Tour noch vor uns! Der Abstieg zum Playa de Tamadite durch ein Barranco.

Ein von Dornen gespickter steiler Trampelpfad, teilweise wild bewuchert und mit tiefen felsigen Abgründen, wo die Beine allein bei dessen Anblick zu Wackelpudding werden. Jedenfalls hats uns beide schön auf den Arsch gesetzt. Immer denkt man, gleich das Meer zu erreichen.

Vorbei gehts etwas tiefer an winzigen Feldern, die wohl tatsächlich auch bestellt werden, mit kleinen Behausungen darauf. Der Strand am Meer unten ist wild und mit entsprechendem Küstenpanorama. Der Sand ist schwarz und grob, die Brandung hoch. Ein echter Abenteuer Ort mit wenig Leuten.

Es tut gut die Botten auszuziehen und die qualmenden Füße in den anbrandenden Wellen zu kühlen.

Zurück gehts auf dem direkten Weg nach Afur – wo irgendein Hirni ständig mit – einem Gewehr..? – rumballert.

GPS-Track

Animierter Satellitentrack auf Doarama

August 9

Über die Oder bis zur Elbe: Stargard,  Angermünde, Tangermünde

Ich mache noch Station in  Stargard in Pommern. Die auffällige Backsteinbasilika ist auch innen sehr schön. Sogar im Gewölbe finden sich gut restaurierte Fresken.
Beim Bummeln durch die Innenstadt finde einen kleinen Friseurladen und lasse mir die Haare kürzen. Die etwas betagtere Chefin verlangt umgerechnet 2,50€. Das wäre bei und das Trinkgeld zu einem günstigen Herrenhaarschnitt. Preisfrage: Was würdest du jetzt der Friseurin als Trinkgeld geben?

 

 

 

 

 

Ich wähle die kleine Brücke über die Oder bei Schwedt. Endlich wieder breitere und glatte Landstraßen! In der Nähe liegt Angermünde.

 

 

 

Leider gibt es am Freitag Abend kein Orgelkonzert in der Kirche, erst am Samstag. So werde ich den Organisten,  den ich vor drei Wochen in Cammin traf, nicht sehen können. Also weiterfahren Richtung Westen.

Ich übernachte auf einem Campingplatz im Feldberger Seengebiet, genieße am Morgen ein Bad im See.

 

 

 

Nächstes Tagesziel ist Tangermünde an der Elbe.Die Stadt ist einen Aufenthalt wert! Sehr sorgfältig renovierte Häuser.

 

Übernachten kann man auf dem kleinen Campingplatz, der vom Hafenmeister geleitet wird.

 

Vor der Abfahrt am nächsten Morgen entdecke ich noch diesen netten Laden:

SCHLUSS DER SOMMERREISE NACH RÜGEN UND POLEN

Danke fürs Lesen und für eure Kommentare

Thomas

August 7

Rückfahrt:  Ostpreußen, Kaschubien, Westpreußen

  1. Für die Rückfahrt wähle ich Straßen, die mich näher an die russische Grenze Richtung Kaliningrad, also Königsberg führen. Durch Orte hindurch, deren ostpreußische Namen auf meiner Karte eingetragen sind: Fürstenau ,  Marienthal, Landsberg (Ostpreußen), Schulzenvorwerk, Rosenort, Mehlsack, …
    Der Verkehr ist dünn in dieser Gegend, an grasüberwachsenen Schienensträngen malerisch verfallene Bahnhöfe. Wenigstens ist der Straßenzustand akzeptabel.

Ab Elbing nimmt der Verkehr wieder zu. Nach 6 Stunden Fahrt bin ich wieder in Kaschubien. Erste Übernachtung am Kaschubischen Freilichtmuseum.

Das Museum ist einen Besuch wert. Es gibt teilweise deutsche Erklärungen, die das deutsch-polnische Verhältnis ein wenig berühren.
(Abendessen in einem Hotelrestaurant mit Gitarrenmusik – schön)

 

 

 

Zwei weitere Übernachtungen auf einer Campinginsel, die nur über die kleine private Autofähre zu erreichen ist. Man darf auf der ganzen Insel beliebig stehen. Außergewöhnlich ist die Speisekarte des Restaurants. Es gibt Schlutzkrapfen, Kaiserschmarrn und überhaupt Tiroler Küche; ich nahm zum Abend Knoblauchspaghetti, bin ja alleine im Bus. Restaurant und Campingplatz leitet eine Tiroler Familie. Die Insel ist schon lange kein Geheimtipp mehr. Weniger als 2 Autostunden von der Grenze entfernt ist der Platz für deutsche Familien ein  beliebtes Urlaubsziel geworden.

 

August 2

Flatlands 2017 – Status Tag 3

Kurzer Status zwischendurch von den Flatlands in Altes Lager. Heute kommt der RBB, um von dem Wettbewerb zu berichten. Gestern und vorgestern wurde zwar jeweils eine Aufgabe gestellt, die dann jedoch kurz nach Beginn wieder gestoppt wurde. Grund war die Wind- und Wetterlage.

Heute gibt es einen Task, und zwar geht es etwa 60km Richtung Osten zur ehemaligen Cargolifterhalle, wo heute das Mega-Spaßbad Tropical Island drin ist. Heute zu High Noon um 12:00 startet der Task. Ich bin an Startstelle Süd der siebte Starter.

Den offiziellen Blog zum Wettbewerb findet ihr hier: https://www.dcb.org/wettbewerbe/flatlands-gs/2017/

 

Juli 27

Wenn ich n’en See seh‘,  brauch‘ ich kein Meer mehr … – Masuren –

„Sonata Camp“ heißt der Platz an einem großen See. Eigentlich liegt mitten in einem Seengebiet. Hier kannst du deine Seele baumeln lassen (was das wohl immer heißen soll?).
Die Campingwiese ist weitläufig, Schatten, Sonne, Seesicht, Waldesruhe  –  für jeden Geschmack etwas.

Reiseführer schreiben von „traumhafter Landschaft“. Das sagt mir nichts, vielleicht ist meine oder deine Traumlandschaft auf der Erde nicht zu finden. Ich hatte den Eindruck, dass es sich bei den Bildern, die ich zu sehen bekam, um Kompositionen handelt. Kompositionen, denen nichts hinzugefügt und aus denen nichts entfernt werden werden darf.

Mit meinem Fahrrad bin ich an drei Tagen um Seen, durch Wälder und kleine Orte gefahren. Hausgärten verwildert oder gepflegt, egal! Äcker, die das Land nicht beherrschen,  sondern es sich mit Wäldern und Hügeln teilen.

Zum Glück ist mein Rad nicht anspruchsvoll, was den Straßenbelag betrifft. Es trug mich ohne zu klagen von Bild zu Bild.

Die Seen sind auch ein beliebtes Segelrevier. Ideal für Jollenkreuzer, es blüht das Chartergeschäft. Auf den Verbindungskanälen herrscht mitunter drangvolle Enge.

Doch zur Nacht sucht man sich einfach einen kleinen Hafen, eine Lücke im Schilf oder eine Taverne mit Landungssteg.

Juli 27

Geschichtsgeschwängert – Marienburg; Fitzcarraldo light – Oberlandkanal

Ohne die Marienburg durch Polen – undenkbar.

Nun, meine Ansicht über die große und dank meines geschichtlichen Halbwissens undurchsichtige Anlage ist nicht so eindeutig.

Ich bezahle zusammen mit zwei deutschen Familien eine Burgführerin. Sie ist kompetent und führt uns 3 Stunden lang durch die Burg. Vielleicht haben wir in der Zeit etwa 1/4 der Anlage gesehen. Elegante Säle, Schlaf- und Wohnräume, die Warmluftheizungsanlage im Keller,  Küche, Backstube, die Schlosskirche u.a. Mit unserer kleinen Gruppe kommen wir gut durch die Besuchermassen; treppauf, treppab – ich bin danach jedenfalls reif für eine längere Pause und verzichte auf die Turmbesteigung.

Mit dem Anspruch, etwas originales zu sehen komme ich nicht weit. Die Burg wurde nach Zerstörungen und Zweckentfremdung im 19. Jhd historisierend, wie damals üblich, restauriert. Vermutlich nach dieser Vorlage hat man sich gerichtet beim erneuten Wiederaufbau nach Ende des 2. Weltkrieges. Daher etwas viel Ritterromantik!

Heute, eine Woche nach der Besichtigung bin ich dennoch froh, dort gewesen zu sein.

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Klaus Kinski würde entrüstet abwinken. So leicht darf es nicht sein, einen Dampfer über den Berg zu ziehen. Geht aber wirklich Dank der Erfindungsgabe und Hartnäckigkeit eines Ingenieurs, der im Prinzip nur die Wasserkraft dazu nutzt. Angetrieben durch ein großes Wasserrad zieht man mit einem umlaufenden Seil Wagen auf Schienen über den Berg. Die Schiffe liegen dann sicher auf der Plattform der Wagen.  Der Ingenieur, der in der Mitte des 19. Jhds die Technik erfand, war Georg Steenke, Baurat in Königsberg. Durch sie konnte der Bau von teuren Schleusen vermieden werden. An einem der „Rollberge“ gibt es ein ganz neues Museum dazu. Darin erklärt man die Probleme und ihre Lösungen. Ausgezeichnet multimedial mit großen Touchscreens aufbereitet.

Es regnet wieder mal, das freut die Kröte. Ich dagegen bin dankbar für die trockenen Museumsräume.

Juli 27

Danzig – seid solidarisch, Oliva – Bach wird misshandelt, Gdingen – Windjammer

Was ist denn das ECS? Meine beiden Reiseführer, obwohl neueren Datums, kennen es noch nicht, das „European Solidarity Center“. Das neue Gebäude gibt es auch erst seit 2014. Es wurde nördlich von der Rechtstadt auf dem Gelände der ehemaligen Leninwerft (Beginn der Solidarność-Bewegung 1980) errichtet.

Von Außen ein großer mit rostenden Stahlplatten verkleideter Bau, der an den Rohbau eines Schiffes erinnern soll. Im Inneren Tagungsräume, Bibliothek, Museums- und Gedenkräume sowie eine Aussichtsterrasse im 6. Stockwerk. Alles großzügig mit Atrium, Rolltreppen und Aufzügen, bewacht von kompetentem Sicherheitspersonal. Zur Ausstellung erhält man einen Audioguide, alles ist multimedial sehr gut aufbereitet. Von der Aussichtsterrasse sieht man in den Hafen und in die Werften hinein.

Die Dauerausstellung ist der Widerstandsbewegung und der Gewerkschaft Solidarność während der Jahre 1980 bis zum Zusammenbruch des Ostblocks gewidmet.

 

In der Ausstellung haben mich besonders die Zeugnisse aus der Zeit der Unterdrückung unter General Jaruzelski bewegt.

Ausgerechnet an dem Tag meines Besuchs im ECS verweigerte der Staatspräsident seine Unterschrift unter die umstrittene Gesetzesvorlage zur Rechtsreform der polnischen Regierung! Das ist doch ein Hoffnungsschimmer für den Rechtsstaat.

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Ach, die Orgel in der Kathedrale von Oliva! So verspielt dekoriert mit beweglichen Engeln, die Trompete spielen und Glocken läuten – einfach reizend.

Der Organist aber, der das Instrument spielte, hat Bach und Händel und andere derart durch das Instrument geprügelt, dass nach der gespannten Erwartung nur Enttäuschung übrigblieb. Vielleicht wollte er auch nur schnell wieder heim.

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Gdingen habe ich am Sonntag per S-Bahn in einer halben Stunde erreicht. Die Stadt lobt ihre moderne Architektur. Die blieb mir etwas verborgen bis auf diese Kirche.

 

 

 

 

An der Hafenmole ist jede Menge Zerstreuung geboten. Mich reizt das Segelschulschiff „Dar Pomorza“, das 1909 als „Prinz Eitel Friedrich“ für die deutsche Handelsmarine gebaut wurde.

Am Ende der Mole liegt das Ozeanografische Museum. Enttäuschend gegenüber demjenigen in Stralsund. Ich finde die Aquarien zu beengt für die Tiere, verstecken können sie sich da nicht.

Der Zitterwels produziert denn auch ordentliche Stromstöße (hört man im Lautsprecher).

 

Juli 27

Freilichtmuseum Danzig und Konzertzauber in der Marienkirche

 

.Samstag Nachmittag in der Rechtstadt von Danzig , kaum ein Durchkommen bei diesen Besuchermassen.

Ich flüchte erstmal auf den Rathausturm. Und das lohnt sich, sowohl der Aussicht wegen, als auch wegen der Museumsräume, die man beim Aufstieg durchwandert. Der Rote Saal, Bilder, Dokumente und Objekte der Vorkriegszeit und bedrückende Fotos der Ruinenstadt am Ende des 2. Weltkrieges. Oben dann die Aussicht über die heute perfekten Hausfassaden des Wiederaufbaus. Alles zusammen weckt in mir die Vorstellung eines riesigen Freilichtmuseums.

 

 

Natürlich ist Stadt wieder lebendig außerhalb der touristisch überfluteten Rechtstadt.
S-Bahn,  Straßenbahnen und Busse sind gut ausgelastet bis in die Außenbezirke.

 

Die Marienkirche beeindruckt allein durch ihre Größe aber auch durch die wertvolle Ausstattung.

 

 

 

 

 

 

Ich habe gleich am ersten Abend das Glück, ein Konzert für Flöte und Laute in der Kirche zu hören. Der Flötistin gelingt es, den Nachhall des riesigen Raumes mit in ihr Spiel einzubeziehen, wodurch ihr Spiel mehrstimmig wirkt!

 

 

 

Von den Kirchen, die ich in Danzig besichtige, beeindruckt mich St. Nikolaus am tiefsten. Der Reiseführer berichtet, dass die Kirche die Zerstörungen weitgehend unbeschadet überstanden hat.

 

 

 

Interessant finde ich die Johanneskirche, mit den teilweise unverputzten Säulen und Wänden. Der Innenraum ist bestuhlt und wird für Kulturveranstaltungen genutzt.

 

 

 

 

 

 

Modern die Philharmonie – in Backstein ausgeführt.

Rechts im Hintergrund das Krantor – muss man natürlich gesehen haben – wie so vieles anderes auch.

Juli 27

Sonnenschein und Jenseitsglaube in der Kaschubischen Schweiz

Am Morgen nach dem verregneten Tag der Anreise scheint schon wieder die Sonne. Ich  habe zum Frühstück einen grandiosen Blick von meinem hochgelegenen Stellplatz über die umliegenden Hügel und drei Seen.

Mein Kulturprogramm verlangt aber den Besuch von Karthaus, ehemaliges Kartäuserkloster mit düsterer Kirche (der Reiseführer spricht vom sargdeckelartigen Kirchendach).

 

In der Tat überwiegen in der Ausstattung die bedrückenden Details. Schwebt doch ein weißer Engel mit Sense im Arm über dem Ausgang. Ist das die Verheißung zum Jenseits?

Vorerst genieße ich lieber den Sonnenschein dieses schönen Tages!

 

Nächstes Ziel ist nun Danzig, das Hotel in Altstadt wird mir für drei Nächte Unterkunft und dem Bus einen sicheren Stellplatz bieten.