Januar 5

Eine Begegnung im Anti-Atlas

Dienstag, 2. Januar 2018:
Es ist eine beeindruckende Fahrt vom Anti-Atlas hinunter nach Tiznit. Die ersten Kilometer der Landstraße sind einspurig geteert mit hinreichend breiten Schotterstreifen daneben. Es gilt wieder: „Man achtet aufeinander, und der Klügere weicht aus.“ Später, wenn die Serpentinen nach unten beginnen, ist es eine gute Passstraße, wie wir es gewohnt sind.

Unterwegs komme ich an einer auffällig großen und gepflegten Moschee vorbei, bei der mir ein Islamisches Heiligtum auffällt: Ein niederer rechteckiger Quader, überdacht mit grün glasierten Ziegeln. (Habe mal gelesen, dass solche heiligen Stätten über die Kultur der Berber speziell in Marokko entstanden sind – strenggläubige Moslems lehnen solches als Sektierertum ab.)

Da mir die Landschaft insgesamt gefällt, halte ich ein paar hundert Metern nach der Moschee an und setze mich entspannt auf einen Stein. Es kommen zwei Marokkaner vorbei, von denen einer sehr gut französisch spricht. So kann ich ihn fragen, was es mit dem Heiligtum auf sich hat. Er erklärt mir, dass es einer Frau gewidmet ist – näheres verstand ich in meiner Unkenntnis der Religion leider nicht. Er ist im übrigen der Wächter der Moschee. Der Mann ist mir sehr sympatisch. Er freut sich, dass ich ihn und seinen Begleiter ein paar km bis zu seinem Heimatort mitnehme. Und siehe da, ich werde zu einem Kaffee eingeladen – bei seinem Bruder,   der ein schmuckes Café mitten im Ort hat. Der Ort ist gepflegt und offensichtlich aufstrebend. Das bestätigt mir der Mann. Höflich und unaufdringlich begleitet er mich noch zum Auto – schade, dass ich mir den Namen des Ortes nicht aufgeschrieben habe.

Dieses eher unauffällige Heiligtum, habe ich zuvor im Anti-Atlas gesehen.

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Unsere Reisegruppe trifft sich in Tiznit auf dem Camping Municipal vor der Stadtmauer. Ein sehr angenehmer Platz, trotz der vielen Überwinterer. Der Weg in die Stadt ist kurz, Einkäufe kann man schnell erledigen, das Angebot an Lebensmitteln ist wieder umfangreicher, als im trockenen Anti-Atlas. Ich übe mal richtig Feilschen und erstehe so ein Paar weiche Lederlatschen für’s Wohnmobil (in rot, damit ich sie auch finde). Tatsächlich empfinde ich diesen Kauf nach dem Zusammenspiel der unterschiedlichen Preisvorstellungen als besonders befriedigend.

Januar 3

Silvester im Anti-Atlas


Samstag, 30. 12.:
Am Vorabend erhalten wir nicht nur die Koordinaten des Übernachtungsplatzes in Tafraoute, sondern auch Hinweise, welche der möglichen Anfahrtsrouten die schönsten Aussichten bereithält.Es geht hinauf in den Anti-Atlas, der trockener und daher in der Vegetation viel karger ist, als der Hohe Atlas. Die Straßenverhältnisse sind so gut, dass ich nebenher die Landschaft im Blick habe. Außerdem gibt es Ausweichstellen, an denen man gefahrlos anhalten kann.
Trotz der abweisenden trockenen Bergwelt sehe ich viele kleine Weiler. Manche kleben förmlich an den Berghängen, oder die Häuser drängen sich auf einer Bergkuppe. Ob sie denn auch bewohnt sind, kann ich im Vorbeifahren nicht erkennen. Oft verfallen auch die vorhandenen Lehmbauten, während daneben neu mit den heute üblichen Materialen gebaut wird.

Ein Höhepunkt der Fahrt ist die Besichtigung des Dorfes Agadir Tizourgane. Von Ferne gefällt schon die Lage auf einem markantenen steilen Hügel. Parken, Klopfen am Tor und schon werde ich für 20MAD eingelassen. Die Außenwände der ineinander verschachtelten Häusern sind mit flachen Natursteinen kunstvoll verziert. Alte Türen, geschnitzt und bemalt passen schön dazu. Man bietet Hotelzimmer an und es gibt eine Restauration auf einer Dachterrasse. Vieles ist schon perfekt restauriert, manche verfallene Ecke wartet noch darauf.

Weiterfahrt über einen windigen Pass und dann noch etwa 20km abwärts durch das Tal der Ammeln (einem Berberstamm) nach Tafraoute

Der Ort liegt in einem Talkessel, ist umgeben von Hügeln aus roten Granitsteinblöcken in den abenteuerlichsten Formen und Anordnungen. Und hinter den Hügeln erheben sich die hohen Felsberge des Anti-Atlas. Das Tal aber ist geprägt von großezügigen Palmenhainen für einen angenehmen Aufenthalt.

Sonntag, 31. Dezember:

Silvester 2017 – Besuch bei den Blauen Steinen per Pkw und Taxi. Sieht ja ganz nett aus, wenn auch die Farbe mal aufgefrischt werden könnte.

Mir gefallen die Granitfelsen besser mit dem natürlichen Farbenspiel der Rottöne.

Auf der Rückfahrt besuchen wir die Argan-Kooperative in einem schmucken Dorf mit sauberen geteerten Straßen. Christian erzählt uns, dass der derzeitige Landwirtschaftsminister aus diesem Dorf stammt – und den Ort kräftig unterstützt.

Den Nachmittag beschließen wir mit dem Besuch beim Schmalzkringelmann in Tafraoute.

Zurück in unserer Übernachtungsoase lassen wir uns das Abendessen ans Wohnmobil bringen. Es gibt Tajine, zubereitet von einer Frau aus der Ortschaft neben dem Palmenhain.

 

Die Silvesternacht begehen wir stilvoll versammelt um ein großes Feuer. Unser riesiger Vorrat an Holz und Palmwedeln reicht gerade mal die vier Stunden bis Mitternacht. Besonders die trockenen Palmwedel sorgen für dekorativen Funkenflug.

Wir leben nach Mitteleuropäischer Zeit, und begrüßen darum das Neue Jahr 2018 eine Stunde vor den Marokkanern!

Januar 2

Zwischen Hohem- und Anti-Atlas

Donnerstag, 28. bis Samstag, 30. Dezember:
Vom Camping am Atlantik fahren wir über Agadir nach Taroudannt, der Hauptstadt des Sous, der fruchtbaren Ebene zwischen Hohem Atlas und Anti-Atlas.
Ich hatte 2013 die Stadt für einen Tag durchstreift und freue mich auf den zweiten Besuch.

Wir stellen unsere Fahrzeuge auf einen idyllischen Campingplatz, der etwa 2km außerhalb liegt. Deshalb beginnen wir die Stadtbesichtigung mit Kutschen. Ein tolles Erlebnis für mich, da ich vorn neben dem Kutschers sitzen kann. Kaum zu fassen, wie Pferd und Wagen mühelos vom Kutscher durch enge Gassen gelenkt werden.
Die Stadtmauer aus Lehmziegeld erbaut, ist die Sehenswürdigkeit der Stadt. Ein Erlebnis ist das Eintauchen in einen der Suks. Es ist immer spannend, zu sehen, an welchem Ende man herauskommt. Und das kann dauern.

Kamelsattler
Schreinerstraße

Besonders beeindruckt bin ich auch diesmal wieder vom Berbermarkt. Frauen sitzen am Boden und verlesen Getreide. Verkauft wird es dann aus Säcken. Und daneben ist eine Getreidemühle für Mahlaufträge bereit. Ein ganzer Straßenzug ist Schreinern vorbehalten. Die Straße ist Teil der Werkstätten. An der nächsten Ecke warten Hühner, in Käfigen, oder aufgehängt an zusammengebundenen Füßen auf Käufer.
Es gibt auch ein kleines Kasbahviertel, in das man durch wuchtige Lehmziegelportale hineingehen kann.

Das war’s dann aber auch schon mit den historischen Sehenswürdigkeiten.
Der Stadt muss es finanziell recht gut gehen, denn sie leistet sich im neueren Teil einen schönen und recht gepflegten Park.

 

Am Abend führt uns der Campingplatzwart zur Ölmühle nebenan. Eva traut sich das Ergebnis der Pressung zur kosten.

 

 

Freitag, 29. Dezember:
Ausflug mit Heidi und Lutz auf den 2100m hohen Pass Tizni-n Test im Hohen Atlas.Es ist der ehemalige Karawanenweg von Taroudannt nach Marrakesch, der nun weniger beschwerlich mit jedem Fahrzeug befahren werden kann.

Tunnels oder Viadukte gibt es nicht, so passt sich die Straße den tief eingekerbten Seitenschluchten des Bergmassivs an. Ohne seitliche Randbegrenzung hat man immer wieder schöne Tiefblicke, wir halten da gelegentlich die Luft an. Lutz, unser tapferer Fahrer ist nicht ganz schwindelfrei – doch alles geht gut, es gibt auf der Passhöhe sogar ein Café-Restaurant mit freundlicher Bedienung und gutem Berber-Omelette.

Januar 1

Weihnachten am Atlantik

Sonntag, 24. Dezember:

Heiligabend mit gemeinsamem Abendessen zu fünft – jeder steuert etwas zum Menü bei und es gelingt. Wir sitzen noch bis 23 Uhr warm eingepackt draußen.

Montag, 25. bis Donnerstag, 28. Dezember:

In dieser Bucht lieg der Platz

Der Platz Terre d’Ocean liegt etwa 80m über dem Meer.

Die Aussicht ist schön und garniert mit wunderbaren Sonnenuntergängen.

Fotosession am Strand

Faulenzen, Wandern, Fotografieren mit dem Mietwagen in’s Paradiestal fahren und etwas Wäsche waschen.

Der Platz ist beliebt bei Überwinterern. Die meisten aus Frankreich. Manche bleiben 5 Monate. Fernsehen ist Pflicht, kleine Wanderungen, jede Woche einmal Einkaufen – man ist mit dem eigenen Mobil, dem Beobachten der Nachbarn und dem Treffen mit Freunden beschäftigt. Es gibt offensichtlich keine Langeweile. Für Mobilität sorgt der Roller auf dem Heckträger, der Pkw oder der Quad auf dem Anhänger.

 

 

 

Mir haben die 4 Übernachtungen auf dem schönen Platz gereicht. Es kann weitergehen.

Dezember 28

Marrakesch

Donnerstag, 21. Dezember:

Auf in’s Verkehrsgetümmel dieser Großstadt. Tanger bzw. Rabat waren schon mal zum Üben ganz gut. Marrakesch bietet einige Variationen zusätzlich. Fußgänger, die überraschend die Straße überqueren, Zweiräder auf deiner Seite im Gegenangriff, dreispuriges Fahren auf zweispuriger Strecke. Meine Strategie zur Einfahrt in einen mehrspurigen Kreisverkehr: rechts bleiben, denn dann räumt mir der linke Partner den Weg in den Kreisel frei. Grundregel: wer zögert, hat verloren. Und doch, man achtet aufeinander.
Wir treffen uns auf dem Stellplatz im Stadtzentrum in Sicht- und Hörweite der Kutubya-Moschee. Ruhig gelegen und ideal zur Stadtbesichtigung – der Djamaa el-Fna ist in fünf Minuten erreicht, sodass man den Platz mehrmals zu verschiedenen Tageszeiten besuchen kann.

Ich gehe am späten Nachmittag zum Kasbah-Viertel, durch das Bab Agnaou

zu den Saadier-Gräber.

Der gute Zustand und die Qualität der Kunstwerke haben mich sehr beeindruckt.
Für den Abend hat unsere Reiseleitung ein Essen auf dem berühmten Platz Djamaa el-Fna organisiert. Unser „Lokal“ ist eines der vielen Verpflegungszelte auf dem Platz. Jedes Zelte ist spezialisiert auf bestimmte Speisen, einige für Tajine, andere für Suppen oder für Fleischgerichte.

Unseres ist eine Fischküche. Wir sitzen auf Bänken um die Küche herum. Wie schon in Moulay Bousselham geübt, essen wir die gegrillten Fische und Tintenfischringe mit den Fingern. Es schmeckte richtig gut und wir sind gerüstet für eine Platzbummel. – Ich brauche einen Espresso, den ich mir auf der Dachterrasse in einem der Restaurants, die den Platz umgeben, genehmige. Als Zugabe bekomme ich den Blick über den Platz mit einem herrlichen Sonnenuntergang geboten.

Am nächsten Morgen buchen wir eine Stadtführung, die sich leider bald zu einer Verkaufsveranstaltung entwickelt. Ich gestehe hiermit, dass ich dem gewieften Gewürz- und Heilmittelverkäufer auf den Leim gegangen bin und ein sündhaft teures Mittelchen gegen Nebenhöhlenprobleme gekauft habe. Doch als uns der Stadtführer in ein Restaurant führt und gleich noch vorschlägt, das ganze Menü zu nehmen, gelingt mir rechtzeitig vor der Bestellung die Flucht.

Den Nachmittag des Tages verbringe ich mit einem interessierten Paar unserer Gruppe nochmals in den Saadier-Gräbern, und laufe in der Dunkelheit allein durch schmale Gassen der Medina.

 

 

 

 

In einer drei Meter breiten Altstadtgasse begegnen sich gleichzeitig Fahrräder, Motorräder, Fußgänger, Müßiggänger und keiner berührt den anderen, sondern weicht noch geschickt den ausgestellen Warenbergen aus.

 

 

 

 

 

Es macht mir richtig Spaß, einer der Müßiggänger in dieser Gasse zu sein. Ich finde einen Gitarrenladen, der CDs verkauft. Der Besitzer spielt für mich einige an und ich entscheide mich für zwei, die mir gut gefallen.

 

Fazit: Marrakesch kann nochmals ein Reiseziel für mich sein. Dann würde ich mit mehr Muße über den Djamaa el-Fna gehen, einem Geschichtenerzähler länger zuhören. dann einem Gaukler zusehen, dann bei einer Musikergruppe verweilen, und so die eigenartige Stimmung in mich aufnehmen.
Am nächsten Morgen starte ich als erster unserer Reisegruppe. Ich fließe mit dem beginnenden Berufsverkehr gemeinsam mit unzähligen wuseligen Zweirädern vom Zentrum durch die Vorstädte in Richtung Essaouira. Es ist mit 4°C, oder gar weniger, recht kühl.

Jetzt wieder zurückblättern („Rabat und weiter am Atlantik“), dort nach unter scrollen, denn es geht wieder an die Atlantikküste nach Essaouira.

Dezember 20

Rabat und weiter am Atlantik

Mittwoch, 20. Dezember:
Großer Abschied von Erik und Karoline. Erik fragt mich noch, ob wir mal zusammen eine Reise machen wollen! Richard und Hillary wünschen ich viel Glück.
Dann fahre ich über die Autobahn nach Rabat und finde auch den Parkplatz direkt unter der Kasbah der Oudaias.

Tolle Lage, Übernachtung aber nicht erlaubt.
Die Zeit reicht gerade für einen Rundgang durch den Andalusischen Garten

und die Gassen der Kasbah. Schöne Aussichten über die Flussmündung,

zur Neustadt von Rabat und hinüber nach Salé.

Kurzer Gang über den Friedhof mit freiem Blick über den Atlantik.

Danach noch durch die Rue des Consuls mit den Teppichverkäufern und diversen Kunsthandwerkern.

Sehr entspannter Bummel ohne Anmache der Händler.


Weiterfahrt nach Mohammedia über die Küstenstraße mit etwas Stress beim meerseitigen Umrunden von Rabat. Aber mein heilix Blechle bleibt unversehrt. Erreiche den angesagten Campingplatz und die Gruppe pünktlich 17:30Uhr MEZ.
Abendessen (gegrilltes Huhn mit Brot im Restaurant vom Campingplatz).

Hier geht’s später weiter mit Essaouira, Agadir. Wir machen zuerst jedoch einen Abstecher nach Marrakesch

Samstag, 23. Dezember:
Essaouira

 

Jeder Reiseführer schwärmt von dieser Stadt – ihre Lage am Atlantik, der kleine Fischerhafen mit den Befestigungsanlagen und der Medina (UNESCO-Weltkulturerbe). Bei unserem Besuch ist eine gewaltige Renovierung im Gange. Viele Straßen und Plätze werden neu gepflastert. Umfangreiche Arbeiten am Hafen und an der Strandpromenade behindern den Verkehr.
Ich laufe durch die Altstadt, verlaufe mich manchmal, finde aber immer wieder zum zentralen Markplatz, von dem aus gerade Straßen stets zu einem der Stadttore führen.

 

 

Sollte ich wieder mal in der Stadt sein, dann führt mein erster Gang zur Patisserie Driss. Die Blätterteigstückchen, die ich dort bekomme, sind vom feinsten. Und man sitzt schön im Innenhof. Klar, dass diese Stadt viele bildende Künstler anzieht. Besonders Arbeiten aus Thujenholz sind zu finden, wobei schon die Vielzahl von identischen Kästchen, Tabletts und Tischen auf maschinelle Herstellung deutet.

Die Fischer bieten Sardinen natürlich, aber auch Muränen, Aale, Haifische, Rochen, Barrakudas, Thunfische und sonstiges Getier an. Wir kaufen im Hafen gemeinsam Fisch ein (d.h. Christian, unser Guide sucht aus und bezahlt). Anschließend gibt Christian den Einkauf einem Arbeiter, der das Ausnehmen, Schuppen und Zerteilen besorgt. Der Lohn für diese Arbeit wurde zuvor verhandelt. Das Grillen lassen wir am Fischmarkt im Zentrum von einer Garküche besorgen, die auch Tische und Bänke für ihre Gäste bereitstellt. Messer und Gabel brauchen wir ja nicht mehr – Abfälle wie Gräten und Fischköpfe bleiben auf der Wachstuchdecke zurück. Das war wieder richtig interessant, und hat gut geschmeckt.

Unsere Wohnmobile stehen direkt neben der Stadtmauer auf einem Parkplatz. Ideal für mehrere Besichtigungsgänge am Tag. Dumm nur, dass sich neben, hinter oder vor unseren Autos alle möglichen Männer herumtrieben, in Gruppen am Randstein zusammensaßen und manche von uns bis zum frühen Morgen störten. Darum mochte ich keine zweite Nacht auf dem Parkplatz verbringen, sondern bin am Sonntage, den 24. Dezember schon vorausgefahren auf den Campingplatz Terre d’Ocean, 20km nördlich von Agadir.

Dezember 18

Moulay Bousselham an der Lagune

Montag, 18. Dezember:
5GByte Internet für 50MAD + 20MAD für die

Simkarte. Damit rüste ich mein altes Smartphone auf und lasse es als Hotspot für die anderen Geräte arbeiten. Jetzt kann ich sogar in der Wüste ins Internet gehen!
Vorerst fährt die Gruppe nach Moulay Bousselham auf einen direkt an der Lagune gelegenen Campingplatz. Die Sonne scheint und mein Gemüt beruhigt sich wieder nach dem misslungenen Gruppenstart am Abend zuvor.

Ich mache noch einen ausgedehnten Abendspaziergang  mit zwei anderen Einzelfahrern in den Ort und an den Strand.

Grandioser Sonnenuntergang und kurz darauf wieder rasche Abkühlung. Ich ziehe mich gerne ins Mobil zurück und koche einen Tee.

Impressionen von der Lagune

Müllabfuhr
Der Bootsführer
Flamingos
Lagunenfischer
Verbindung zum Atlantik

Dienstag, 19. Dezember:
Recht kühl in der Nacht, man sagte 5°C. Mein Stellplatz war ideal für Morgensonne, konnte beim Frühstück gut auftauen. Beim zweiten Kaffee in der Campingplatzbar treffe ich Erik und Karoline aus Belgien. Erik war Matheprof. an einer Fachhochschule. Wir verstehen uns gleich. Seine Frau ist Musiklehrerin. Sie haben einen 7-jährigen Jungen Emil, den sie unterwegs unterrichten, damit er die Schule nicht vermisst. Ich leihe ihnen meinen Campingführer über Nacht zum abfotografieren. Wir wollen in Kontakt bleiben.
Neben mir steht ein top hergerichteter T2 Bulli aus England.

Gefahren und gepflegt von Richard und Hillary. Sie möchten möglichst viel frei stehen. Sie erzählen sehr positiv von ihrer Lagunenfahrt mit einem Vogelkundler, der sie ganz nah an die Flamingos geführt hat. Im Gegensatz dazu war unsere Lagunenfahrt enttäuschend. Der Bootsführer hatte nur ein Blatt mit Muschelzeichnungen dabei, für die sich ohnehin niemand interessiert hat.
Zum Mittagessen führt uns Christian in ein uhriges Lokal am Fischmarkt, wo wir diverse Dips vorweg und danach Platten mit gebackenem und gegrilltem Fisch bekommen. Es schmeckt, war aber nichts besonderes. Wir gewöhnen uns auch an das Essen mit den Fingern. Schön, dass wir nicht in ein touristisches Lokal an der Hauptstraße gegangen sind. Das Essen war heute in Ordnung, ist aber mit 6Euro pro Person nach meinen Erfahrungen zu teuer bezahlt. Genauso die Lagunenfahrt, die mich 8Euro kosten wird. Das war sie wegen der 7 Personen in einem Boot auf keinen Fall wert.

Dezember 18

Larache und Lixus

Sonntag, 17. Dezember:
Ralf, ein einzelner Mitreisender, fährt mit mir zu den phönizischen und römischen Ausgrabungen „Lixus“ bei Larache. Wir lassen uns von einem Führer über das Gelände begleiten. Es gibt für Laien nicht so sehr spektakuläres zu sehen, eher Andeutungen der ehemaligen Theateranlage, Thermen und Tempel.

Doch die Lage über dem mäandernden Fluss ist wunderschön (Ralf erkennt in der Flusslandschaft die Elbe bei Dresden wieder!).
In Sichtweite liegt die weiße Hafenstadt Larache am Atlantik. Ein schöner Ausflug in angenehmer Gesellschaft.

Zurück in Asilah treffen wir zum späten Abend den Rest der Gruppe. Eigenartiger Weise sind wir jetzt 7 statt der versprochenen 6 Fahrzeuge. Der Ortsrundgang fällt wegen der Verspätung der Anreise recht knapp und wenig informativ aus. Alles freut sich nun auf das versprochene Abendessen. Doch das reservierte Restaurant ist geschlossen. Als Ersatz zwängen wir uns in ein kleines Etablissement. Dessen Küche – falls es überhaupt so etwas gibt, ist hoffnungslos überfordert. Nach einer Stunde Wartezeit bekommen wir drei lieblos zusammengestellte Tajine, zähes Huhn, kaum Gemüse und alles mit matschigen Pommes überdeckt. Die müssen wir uns zu zwölft teilen. Es gibt noch eine kaum genießbare „Fastensuppe“, die anscheinend von anderenorts angeschleppt wurde. Löffel sind Mangelware. Schade, dass die Gruppenreise so beginnt.

Dezember 18

Von Tanger nach Asilah

Samstag, 16. Dezember:
Wecken vom Gebetsruf (registrierte im Halbschlaf Sirenengeheul).
Erstes Ziel ist Cap Spartel mit seinem Leuchtturm – markiert die Einfahrt in die Straße von Gibraltar.

Das Café lädt mich doch gleich zum ersten Espresso, denke ich, doch ich sehe Marokkaner beim Frühstück und lasse mich verführen, ebenfalls ein Frühstück zu bestellen – Volltreffer! Frische Fladen aus verschiedenen Getreiden, süße Aufstriche, Käse, Ei. Dazu Kaffee, Orangensaft und Wasser. Das reicht mir bis zum späten Abend.
Ich nehme dann eine küstennahe Route, die mein Navi zwar nicht kennt, die jedenfalls teilweise gut ausgebaut ist. Offensichtlich in Erwartung größerer Touristenströme zur Sommerzeit. Denn viele Bauprojekte, davon manche schon wieder ruinös, sehen nach Sommerferienwohnungen aus.
Ein riesiges Projekt nennt sich „Ibn Battuta“, besteht aber im wesentlichen aus vierspurigen Zufahrten, die schon wieder zerfallen.

Ein kleinerer weißer Siedlungskomplex ist fertig, aber  Bauruinen zeugen von überzogenen Erwartungen.

In Asilah lerne ich endlich drei Mitreisende kennen, mit denen ich schon e-mail Kontakte hatte. Der vorgeschlagene Stellplatz wird leider gerade renoviert. So ziehe ich den einfachen stadtnahen Campingplatz vor.

Asilah muss einfach gefallen.

Die Medina, das touristische Kapital von Asilah, wird immer wieder von Künstlern mit Wandgemälden aufgehübscht oder anderweitig dekoriert, so wie im Bild mit Teppichen.

Die untergehende Sonne taucht die Küste in ein magisches Licht – einfach nur schön.Am Straßenrand werden Erdnüsse in Mengen angeboten – offensichtlich auch gekocht, wie ich das in Florida erlebt haben.

Dezember 17

Tanger

Freitag, 15. Dezember
Ibn Battuta, Weltreisender im 14. Jh, stammte aus Tanger. Erich Follath begab sich im Jahr 2015 auf eine Reise auf den Spuren von Ibn Battuta. Ausgerechnet auf der Fähre von Sète nach Tanger begann ich das Buch „Jenseits aller Grenzen“ über den Abenteurer Ibn Battuta von Erich Follath zu lesen. Der Autor verknüpft im Buch Teile des mittelalterlichen Reiseberichts mit seinen beruflichen Erfahrungen als Diplomatischer Korrespondent und den im Jahr 2015 gemachten Beobachtungen an 13 Stationen zwischen Tanger, Jakarta, Hangzhou und Istanbul. Die Landkarte des Reisenden berichtet noch von vielen Orten, die Ibn Battuta zwischen den Jahren 1325 und 1352 besuchte. Doch die Aktualität bezüglich der Weltlage im 21. Jh finde ich in dem vorliegenden Buch mit eben 13 Kapiteln und einem Nachwort mit Bezug auf jüngste (Anfang 2017) politische Vorgänge beeindruckend.

So, jetzt habe ich als Tourist ( „… where are you from?“), die Medina von Tanger besucht. Das Grabmal von Ibn Battuta ist heute leicht zu finden, denn die Stadt ließ auffällige Markierungen ‚Tombeau de Ibn Battuta–>‘ an Häusern im Gassengewirr der Median anbringen.

Die Tür zum kleinen Gebäude ist natürlich verschlossen.

Freitag ist ja Feiertag – alles (hauptsächlich Männer) strebt zum Freitagsgebet in die Moscheen. Die meisten Läden sind erstmal geschlossen. Deshalb kann ich recht ungestört durch die Gassen streifen. Männer biedern sich immer wieder als Führer an, doch ich kann sie manchmal durch „Ich liebe es, mich in der Medina zu verlaufen“ abschütteln.


Interessant das Museum in der Kasbah mit den Funden aus verschiedenen Besiedlungsepochen.

Danach ein Bummel wieder durch die Gassen zum „Petit Socco“, dem zentralen Platz, an dem berühmte Hotels und Treffpunkte wie das Café Tingis liegen.

schickes Hotel

Die Zeiten haben sich geändert und der Verfall ist nicht zu übersehen.

Shabby Hotel

Reiseführer behaupten aber, dass man sich heute um den Erhalt des Bestehenden bemüht. Mein Mittagessen besteht aus einem frisch gebackenen eierkuchenähnlichen Fladen und einem Tee von frischer Minze.
Da mich das Miteinander der Religionen interessiert, suche ich noch die Synagoge auf, die innen reich ausgestattet ist. Man öffnet für mich sogar den Schrein mit den Thorarollen. Außerhalb der Stadtmauer liegt der Jüdische Friedhof.

Er wird von drei Frauen bewacht. Mein Trinkgeld finden sie zu knapp, da sie ja zu dritt sind! Stört mich gar nicht, sollen sie doch schwesterlich teilen.
Die katholische Kathedrale ist leider geschlossen und an der Anglikanischen Kirche bin ich irgendwie vorbeigelaufen.
Im schönen „Old American Legation Museum“ sehe ich viele Erinnerungen an amerikanische Intellektuelle, Künstler und Politiker, sowie Dokumente der jahrhunderte alten Freundschaft zwischen den USA und Marokko. Der große Speisesaal ist um diese Zeit sogar schon mit einem  Christbaum geschmückt.
Zum Abschluss des Tages gönne ich mir Kaffee und Kuchen in einem internetfähigen Café am Place de Koweit. Nach 5 Reisetagen kann ich endlich ein Lebenszeichen von mir geben. Zum Glück hat noch niemand eine Vermisstenanzeige aufgegeben.
Ich bin sicher, dass ich wichtige Gebäude und Orte in der Stadt nicht gesehen habe. Man könnte schließlich wiederkommen!

Nachtrag: E. Follett schreibt ‚Ibn Battuta‘ ich las aber auch ‚Ibn Battouta‘ oder ‚Ibn Batouta‘.